Château Montfaucon: Ein Schloss mit drei Ecken

Gegen den Strom schwimmen ist nicht jedermanns Sache. Rodolphe de Pins weiß das nur zu gut. Als Winzer beschreitet er neue Wege – und das in einer der traditionsreichsten Regionen Frankreichs, an der südlichen Rhône. Im beschaulichen Montfaucon lebt er seine Vision vom etwas anderen Wein.

montfaucon-2 Eigenwillig sind sie, die Mitglieder der Familie de Pins – und das seit vielen Generationen. Als weit gereistes Adelsgeschlecht ließen sie sich vor neun Jahrhunderten an der südlichen Rhone nieder und bauten ein Schloss, wie man es hier noch nie gesehen hatte – dreieckig, nach schottischem Vorbild. Nicht nur deshalb fällt es Reisenden auf, die über die Landstraße von Châteauneuf du Pape nach Avignon fahren. Stolz recken sich die Mauern hoch über dem Fluss. “Dahinter steckt viel Arbeit”, sagt Burgherr Rodolphe beim Rundgang über die Zinnen. Grandioses Panorama, kilometerweiter Blick.

Diese Aussicht kann Rodolphe de Pins nicht oft genießen. Denn zumeist ist er im Weinkeller am Fuß des Schlosses am Arbeiten oder auf den hauseigenen Anbaufeldern. Wo noch vor ein paar Jahren die Traktoren der Genossenschaften fuhren, legt heute der Chef des Château de Montfaucon selbst Hand an. Bei Wind und Wetter ist er dort anzutreffen, tief gebückt zwischen den flach gewachsenen Reben. „In diesen Trauben steckt so viel Energie“, meint de Pins.

montfaucon-1 Seit 1994 gibt es wieder Rotweine aus dem Schloss hoch über Montfaucon. Die Spanne reicht vom Vin de Pays bis zur Spitzencuvée „Baron Louis“. Die, sagt Rodolphe de Pins, habe großes Potenzial. Das Handwerk hat er sich Anfang der Neunzigerjahre in den Top-Weingütern in Australien und den USA angeeignet.

Dort lernte Rodolphe de Pins nicht nur Tricks und Techniken kennen, sondern auch die offene Geisteshaltung der Winzer in Übersee schätzen. Nichts ist in Stein gemeißelt und alles kann besser gemacht werden, heißt deren Credo. Mut muss man haben, Althergebrachtes in Frage stellen und neue Wege suchen. Rodolphe de Pins macht genau das.

Fotos: Hans-Werner Nees

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